Eingebrannt: Die letzten 10km eines Marathons

Fragt mich jemand nach dem Reiz des Marathonlaufens, antworte ich:

„Ein Marathon besteht aus 32km Einlaufen und einem anschließendem 10km-Rennen.“

Der erste Teil besteht fast ausschließlich aus Kräfte einteilen, Energie zuführen und immer wieder checken, ob das Rennen noch nach Plan läuft.

Bis zur 30km-Marke schafft man es meist ohne größere Belastung, aber dann wird es spannend. Kommt der Mann mit dem Hammer? Kann man sein Tempo halten? Jetzt heißt es: Zähne zusammenbeißen und Schmerzen ignorieren.

Erinnerungen aus einem Rennen

Die letzten 10km erlebe ich daher immer sehr intensiv und ich kann mich auch sechs Monate nach dem Berlin Marathon noch fast an jedes Detail erinnern.

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Das ist beispielsweise die australische Triathlethin, die wie ich auf 3-Stunden-Kurs unterwegs war. Während ich in der Spätphase des Marathons praktisch nicht mehr überholt werde und nur noch selbst überhole, kam ich an ihr nicht vorbei.

Oder der einarmige Rolli mit riesigem Kämpferherz, der sich seinen Finish nicht nehmen lässt.

Ebenfalls unter Sub3 ist der Läufer mit einer Beinprothese geblieben. Roadrunner lässt grüßen

Man trifft aber auch auf professionelle Läufer wie Pacemaker, die am Ende noch locker auslaufen.

Oder die russische Top-Athletin, die an dem Tag wohl riesige Probleme hatte und einfach nur durchgereicht worden ist.

Manchmal kommt es auch zu einer Genugtuung. Vor dem Start hat mich ein Dummschwätzer verrückt gemacht, wie ich denn auf die Idee komme, mit nur 60-80 Wochenkilometer unter drei Stunden laufen zu wollen. Bei Kilometer 30 war das Thema gegessen und ich habe ihn auf der Strecke stehen lassen.

Leider traf ich da auch auf einen Vereinskamerad, der einen totalen Einbruch erlitt und erst 20 Minuten nach mir ins Ziel kam.

Mein schönstes Erlebnis ist aber wohl, dass ich den „Zugläufer 3:00h“ das ganze Rennen ca. 300m vor mir hatte. Bei Kilometer 40 konnte ich ihn dann einfach stehen lassen und noch 60 Sekunden auf ihn herauslaufen. Im Ziel habe ich mich direkt für seinen tollen Job bedankt!

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