Schweinsteiger hat meinen Ironman versaut

Was für ein Wochenende. Ironman Frankfurt und der historische Sieg gegen Italien. Eigentlich wollte ich mir nur die erste Hälfte des Länderspiels ansehen, da ich bei dieser EM bisher so gut wie kein 21-Uhr-Spiel gesehen hatte und lieber zur Regeneration im Bett lag.

Das Spiel war leider so spannend, dass man nicht abschalten konnte und nach Schweinsteigers vergebenem Matchball waren meine Nerven so strapaziert, dass ich außer drei Stunden Dösen keinen Schlaf mehr bekam. Und jetzt…? ?

Guten Morgen, Ironman!

Zu wenig geschlafen? Prima, dann ging es mir ja wie 90% der Athleten, denen man die Aufregung förmlich ansah. Genau für diese Stunden bis zum Start liebe ich den Sport.

Glücklicherweise gelang mir trotz Debüt auf der Langdistanz jeder Handgriff in der Vorbereitung, sodass ich sogar noch etwas Zeit zum Einschwimmen hatte. Im Nachhinein keine so gute Idee, da man ja dann wieder an Land musste und das Frieren begann.

Auf die Plätze

Für Zuschauer und Athleten war der neue „Rolling Start“ sehenswert. Hat gut funktioniert und ich konnte  mit wenig „Feindkontakt“ die 3,8km in meinem neuen Sailfish-Anzug bewältigen.  Ein Teil dieses Recaps ist übrigens gedanklich bereits beim Schwimmen entstanden – ein Indiz, dass ich nicht wirklich alles gegeben habe.

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Beim nächsten Mal werde ich mehr pushen („Man braucht die Arme nicht mehr“) und gleichzeitig konstant an die innere Checkliste (Atemrhythmus, Technik etc.) denken. Bis dahin versuche ich auch, mit echtem Freistil schneller zu werden als mit meinem Kraul-Arme/Brust Beine. Die 1:12h dienen aber erst einmal als solide Messlatte für die nächsten Rennen.

Ab auf die Radstrecke

In der ersten Wechselzone habe ich schnell den Wechselbeutel gegriffen, der lediglich Sonnencreme enthält. Wie gut die Sportler-Sonnencreme Garnier Ambre Solarien WETSkin mit LSF50 (Danke an Mario für den Tipp) ist, habe ich am Abend gemerkt. Die Stellen wo ich mich „eingesprüht“ hatte, waren noch fast bleich. Blöd nur, wenn man die Haut des schulterfreien Einteilers vergisst. ? #krebsrot

Sekunden später war ich auf der Radstrecke und die ersten 20 Minuten verliefen wie geplant: Die Intensität lag bei vorsichtigen 190W und beim Thema Ernährung war ich zurückhaltend.

Leider flog mir mein Helmvisier schon nach 5km davon, sodass ich 175km ohne Sonnenbrille fahren musste. Und schon hatte ich meine erste „Ironman-Situation“, bei der man einfach das Beste daraus machen muss. Gedanklich habe ich mich einfach das Bild von Laura Philipp erinnert, die mit hochgeklapptem Visier in Österreich gewonnen hat.

Danach war es ein sehr schönes Rennen, bei dem ich aber aggressiver werden und am Körpergefühl arbeiten muss. Wenn man wegen des späten Wasserausstiegs permanent Fahrer überholt und man bereits 35 km/h fährt, kommt einem das subjektiv sehr schnell vor. Doch objektiv liegt man vielleicht 20-30W unter der Vorgabe und so war es dann auch: Erste Runde in 182W Durchschnitt und die zweite Runde sogar nur in 167W (statt 200W).

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Während ich dieses Gefühl beim Laufen bereits habe und ein Unterschied zwischen 4:30er und 5:00er Pace sofort auffällt, merke ich das beim Radfahren nicht. Deswegen gilt auch hier: Checklisten abhaken und die Pace hoch halten.

Equipment optimieren geht natürlich auch immer: Die Flaschenaufnahme hat so gut geklappt, dass ich demnächst nur noch mit einer Flasche am Sattel fahren werde. Außerdem freue ich mich, bald meinen neuen Aero Anzug zu testen, der auch gleichzeitig noch vor Sonnenbrand schützt. Vielleicht werde ich auch mal mit einem Scheibenrad unterwegs sein, denn wenige Minuten können den Unterschied machen, wenn es um Sub10 oder Hawaii geht.

Insgesamt war es eine tolle Erfahrung mit ein paar Tiefen (Visier & Garmin Edge verloren, die letzten 20km zogen sich wie Kaugummi) und vielen Höhen (Keine gefährlichen Situationen, 800ml Flüssigkeit, 800mg Natrium und ca 75g KH die Stunde aufnehmen können).

Den Ironman nach Hause laufen. Wirklich?

„Da kommt der typische Marathonläufer“ lautete die nette Begrüßung eines Zuschauers als ich nach drei defensiven Kilometern in Fahrt gekommen war.

Leider hatte ich beim Schwimmen und Radfahren schon einige Minuten verloren und zudem war meine Garmin-Uhr wegen einiger Bodenwellen immer mal wieder gestoppt (Auto-Lock jetzt aktiviert), sodass ich gar nicht wusste, wie schnell ich den Marathon laufen muss um Sub10 zu erreichen. Die genaue Startzeit kannte ich ja leider auch nicht.

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Nach einigen Schätzungen kam ich schließlich auf eine benötige Zeit von 3:16h und da die Zeit innerhalb der Pacing-Vorgabe lag, bin ich munter mit 4:30min/km gelaufen und habe mich extrem gut gefühlt: Keine Beschwerden oder Krämpfe und ich konnte aus der ganzen Auswahl an Verpflegung (Gel, Iso, Cola, bei „vollem Bauch“ zwischendurch Mineralwasser) wählen.

Doch dann hat sich leider der Spruch „Der Ironman beginnt ab KM21“ gemeldet und ich bin jämmerlich eingegangen. Während ich nach der Halbmarathonmarke noch genau auf Kurs lag (1:38min), gingen danach nur noch die mir unbekannten Geschwindigkeiten von 5:00 bis 5:15. Selbst im Training könnte ich über Stunden im Grundlagenbereich von 4:35-4:45min/km laufen.
Vorsicht Denkfehler: Triathlon ist kein Laufen.

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Für das Sekundärziel „Sub10“ war das zwar schade, aber ich habe mich schnell aufgerappelt und mir gedacht: „Finish strong“.

So konnte ich schließlich mit einer tollen Zeit von 10:10h beim Ironman-Debüt ins Ziel am Römer einlaufen und das Gefühl dabei war wirklich unbeschreiblich – erst recht, wenn die Freundin spontan nach Frankfurt gefahren ist, um mich zu überraschen!

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Ganz ehrlich: Ich habe selbst das „Einknicken“ genossen, da es sich irgendwie nach Ironman angefühlt hat und wer Vollprofi Sebastian Kienle nach dem Zieleinlauf auf dem Boden liegend gesehen hat, kann erahnen wie hart ein Langdistanzrennen ist.

Eine solche Erfahrung hatte ich seit einem meiner ersten Marathons nicht mehr, wo ich auch kurz ans Aufhören mit dem Sport gedacht hatte.

Natürlich sieht die Welt einen Tag später schon wieder anders aus und es steht fest: Die Sub10 werden fallen. Schneller schwimmen, schneller Radfahren und wieder volles Risiko beim Laufen.

Oder in Kürze: Keep the good things, drop the bad things.

Jetzt freue ich mich aber erst einmal auf die Familie und die letzten beiden Spiele der Nationalmannschaft, die ich live in Marseille und Paris sehen darf. Dann knöpfe ich mir auch Schweinsteiger noch mal vor. ?

6 Kommentar

  1. Sehr schön Marco, alles erlebt am würd ich sagen ? Seit wievielen Jahren machst du denn schon Triathlon?

    Erhole dich gut ☺️

    • Danke Dir vielmals. 2010 habe ich meinen ersten Sprint-Triathlon gemacht. Und in zwei Wochen mache ich meine zweite Sprintdistanz in Hamburg. Mal gucken was drin ist, wenn man All-In geht. 🙂

      Wir sehen uns!

  2. Nochmal Respekt für deine großartige Leistung! Ich hab den Wettkampf (teilweise) im TV und dich im Liveticker mitverfolgt. War echt spannend zu sehen. Nach der halben Marathon Distanz dachte ich du schaffst es in 9:50 ins Ziel. Aber letztlich ist es wohl wie vor dem allerersten Marathon. Wirklich abschätzen wie hart es wird und welche Renneinteilung die Beste ist kann man erst wenn man es mind. 1 gemacht hat…

    Beste Grüße

    Jens

    PS. Läufst du einen Herbst Marathon? Ich bin in FFM

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