Ziel erreicht, aber es war ein hartes Stück Arbeit…

Da ist die neue Bestzeit. 2:49h beim Berlin-Marathon!!! Immer noch total happy! Warum es am Ende verdammt knapp war und wie es jetzt weitergeht, erfahrt Ihr in diesem Artikel.

Die Vorbereitung

Dieses Jahr war die Vorbereitung nicht ganz so schlecht wie 2014, wo ich wegen der Fußball-WM den ganzen Monat Juli ausgesetzt hatte. Mehr als 9 Wochen Training und 6 lange Läufe über 35km waren aber auch dieses Jahr nicht drin, da ich mich im Sommer auf Triathlon konzentriert hatte.

Anreise & Organisation

Dieses Jahr bin ich mit dem Flieger statt mit der Bahn angereist und das war tatsächlich viel entspannter. Im Hotel angekommen traf ich auch schon auf viele weitere Marathonläufer, bevor ich mich zur Marathonmesse aufmachte, um die Startunterlagen abzuholen. Auf direktem Wege bin ich durch die verschiedenen Hallen und dann schnell wieder ins Hotel wo die obligatorische Sportschau zum Ausklang des Tages auf mich wartete.

Vor dem Start

Der Sonntagmorgen hätte kaum besser starten können. Nach einer erholsamen Nacht und einem kleinen Greif-Frühstück habe ich mich in aller Ruhe auf den Start vorbereitet. So entspannt war ich selten und es scheint als habe ich einen super Kompromiss aus gesunder Aufregung und Gelassenheit gefunden. Dabei hatte ich ein extrem sportliches Ziel. Die 2:49h sollten es werden.

Das Rennen

Sehr entspannt und ohne Aufwärmen ging es in Start-Block C wo ich die typische Marathonatmosphäre genießen konnte.

Kurz darauf ertönte der Startschuss und ich bin ziemlich konstant meine Pace von 4:02min/km gelaufen. Ab Kilometer 16 wollte ich das auf 3:56 erhöhen um dann ab KM 25 mit 4:00 zu Ende zu laufen.

Nach ca. 10km hatte ich ganz leichte Anzeichen eines Infekts, die mich aber nicht weiter beeinträchtigten und so vergingen die ersten 18km wie im Flug. Zu dem Zeitpunkt war ich ca. 30 Sekunden vor meiner Prognose. Dann merkte ich allerdings zum ersten Mal, dass sich Seitenstiche anbahnen.

Da ich die Ultra Gels mit Koffein im Verdacht hatte, habe ich dann keine weiteren Gels mehr konsumiert und nur noch Iso-getränke sowie 1-2 Gel-Chips konsumiert, da diese nicht über den Magen, sondern der Mundschleimhaut aufgenommen werden.

Trotzdem hat das nichts geholfen und bei Kilometer 27 waren die Seitenstiche so stark, dass ich bis zu 40 Sekunden langsamer pro Kilometer geworden bin.

Auf einmal zogen massenweise Läufer an mir vorbei und auch mein Traum von 2:49h schien zu platzen. In der Grafik kann man an der gestiegenen Bodenkontaktzeit vielleicht erahnen wie ich mich gefühlt habe. Die dazugehörigen Bilder von mir erspare ich Euch.

Bildschirmfoto 2015-09-30 um 18.16.15

Was dann passierte, kommt einem kleinen Marathonwunder gleich. Während man sich bei anderen Problemen wie Verletzungen oder leeren Kohlenhydratspeichern in der Regel nicht während des Rennens erholt, verschwanden die Seitenstiche

Plötzlich kam wieder Hoffnung auf und obwohl ich mein Armband mit den Zwischenzeiten verloren hatte, konnte ich schnell hochrechnen, dass die 2:49h noch möglich sind.

Bildschirmfoto 2015-09-30 um 18.20.53

Relativ schnell hab ich wieder ins Rennen gefunden und jetzt waren es ja auch „nur noch 10km“. Irgendwie meinte ich es aber wohl zu gut und nach zwei schnellen Kilometern kam bei KM 37 der nächste Stich. Ich war kurz davor, die 2:49h aufzugeben aber dann habe ich mir immer wieder den Zieleinlauf visualisiert. Und der ist mit fast einem Kilometer in Richtung Brandenburger Tor echt lang und half mir sehr, noch die letzten Reserven zu mobilisieren.

Am Ende wurde es dann wirklich sehr spannend. Mit 2:49:48 blieb ich nur 12 Sekunden unter meinem Ziel. Selten musste ich dafür so kämpfen. Selten habe ich mich so über einen Erfolg gefreut:

Ein von Marco Verch (@wuestenigel) gepostetes Foto am

Erst später hab ich dann von der verpassten Rio-Qualifikation von Anna Hahner erfahren. Sehr schade! Sie konnte selbst bei der späteren Siegerehrung die Tränen kaum unterdrücken.

Umso entspannter war Eliud Kipchoge, der keine Berührungsängste hatte, und sich verständlicherweise über den Sieg sehr freuen konnte.

2015-09-30 13_37_49

Nach dem Marathon hatte ich dann auch endlich einmal die Gelegenheit, die vielen Jungs und Mädels des Twitterlauftreffs kennenzulernen. Ein sehr sympathischer bunter Haufen zwischen 2:29er Finisher und Debütanten, die mir während der Vorbereitung sehr geholfen haben, die Motivation zu behalten. Nach dem Marathon hatten wir uns die Currywurst-Belohnung jedenfalls mehr als verdient.

Datei 30.09.15, 13 45 09

Meine Learnings

Was hat gut funktionert? Was werde ich das nächste Mal anders machen?

Mut im Marathon

Ich bin froh, dass ich wieder auf mein Bauchgefühl gehört habe und trotz langsamer 10km-Zeit und teils pessimistischen Stimmen in Laufforen doch auf die 2:49h gegangen bin.

Organisation verbesserungswürdig

Flug und 4-Sterne-Hotel waren schon ein guter Ansatz, aber am Tag vor dem Marathon noch 10.000 Schritte zu absolvieren, ist keine gute Idee. Außerdem waren die letzten Tage auf der Arbeit sehr anstrengend und haben den Stresslevel zusätzlich erhöht. Das nächste Mal nehme ich früher Urlaub und reise auch früher an.

Ernährung in der Vorbereitung

Im Frühjahr habe ich noch recht viel mit „Train low“ nach Dr. Feil experimentiert. Für mich ist das ganze „low carb“ ein bisschen zu viel Hype. Die gute Durchführung einer Trainingseinheit und die schnelle Regeneration danach ist für mich so viel  wichtiger als der vermeintlich verstärkte Fettstoffwechsel. Daher bin ich in den in der Marathonvorbereitung wieder vermehrt auf Kohlenhydrate umgestiegen.

Mit Erfolg: Gerade die Tempodauerläufe und 35km-Läufe konnte ich ohne große Mühe absolvieren und war danach wieder schnell regeneriert.

Das Feil-Buch liegt aber trotzdem nicht in der Ecke. Dunkle Schokolade, Rote Beete Saft und Arginin gehören zu meinen festen Bestandteilen für die Regeneration.

Ein Glücksgriff waren scheinbar auch die recht preiswerten Nahrungsergänzungsmittel Ackerschachtelhalm, Vitamin K2 und Vitamin D3. Keine Spur von Überlastungserscheinungen des Bewegungsapparats.

Daneben habe ich in intensiven Phasen oder bei einem gestressten Immunsystem gerade in den letzten Wochen sehr viel Zink und Quark zu mir genommen.

Da das Immunsystem eher wegen Stress und nicht wegen meines Wettkampfgewichts geschwächt war, werde ich auch beim nächsten Mal wieder versuchen, durch drei Mahlzeiten am Tag und den Verzicht auf Haribo und größeren Mengen an Nüssen, noch 1-2kg einzusparen.

Wie geht’s weiter?

Jetzt freue ich mich erst einmal auf ein paar ruhige Wochen. Die neue Bestzeit hat hoffentlich einen ähnlichen Effekt wie das Knacken der 20-Minuten-Marke über 5km. Danach bin ich total entspannt geworden und die Bestzeiten sind wie von selbst gefallen.

Doch an Bestzeiten denke ich jetzt noch nicht. 2016 stehen der Boston Marathon, mein erster Ironman in Frankfurt und als Krönung der New York Marathon an!

Datei 30.09.15, 19 12 57

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar